Die klassische Dressur ist nicht nur eine Sportdisziplin; sie ist vor allem eine Form der Gymnastik, die das körperliche und mentale Wohlbefinden des Pferdes verbessern soll. Durch ein progressives und respektvolles Training entwickelt das Pferd Kraft, Balance und Elastizität und gewinnt gleichzeitig Vertrauen und Bereitschaft zur Mitarbeit. Richtig angewandt wird die klassische Dressur zu einem Instrument der Prävention, das Spannungen, Widerstände und Verletzungen vermeidet, wie sie bei hastigen oder unsystematischen Methoden häufig auftreten.
Darüber hinaus verbessert die klassische Dressur die Qualität der Arbeit in bemerkenswerter Weise: die Reinheit der Gänge, die Leichtigkeit der Anlehnung und die Verbindung zwischen Reiter und Pferd. Der korrekte Einsatz des Pferdekörpers fördert nicht nur seine Entwicklung, sondern ermöglicht auch ein wesentlich komfortableres und harmonischeres Reiten
Die klassische Dressur als Gymnastik für das Pferd
Das klassische Training, wenn es progressiv und konsequent durchgeführt wird, wirkt wie eine echte Gymnastik für das Pferd. Jede Übung hat einen konkreten Zweck: die Muskulatur zu stärken, die Koordination zu verbessern und ein besseres Gleichgewicht zu entwickeln. Durch diese Arbeit lernt das Pferd, seinen Körper effizient und gesund einzusetzen.
Die Stärkung der Rücken- und Kruppenmuskulatur ermöglicht es ihm, das Reitergewicht besser zu tragen. Die Verbesserung des Gleichgewichts gibt ihm Sicherheit in seinen Bewegungen, sowohl in der Halle als auch im Gelände. Die Ausdauer wird schrittweise aufgebaut, wodurch Überlastungen vermieden werden und das Pferd die Arbeit mit mehr Komfort und Regelmäßigkeit bewältigt. Insgesamt bereitet die klassische Dressur das Pferd darauf vor, eine solide körperliche Basis zu entwickeln, die es ihm ermöglicht, besser und über viele Jahre hinweg leistungsfähig zu sein.

Die Bedeutung der Grundarbeit
Das Wichtigste in der klassischen Dressur sind nicht die fortgeschrittenen Lektionen, sondern die Basisarbeit nach der Ausbildungsskala. Die erste Stufe ist der Takt, gefolgt von der Losgelassenheit. Diese Grundlagen mögen einfach erscheinen, sind jedoch die schwierigsten zu erreichen und erfordern am meisten Zeit und Aufmerksamkeit.
Ein guter Takt, echte Losgelassenheit, Balance, klare Übergänge, die richtige Reaktion auf die treibende Hilfe, eine ehrliche Anlehnung und die korrekte Nutzung des Pferdekörpers – darauf muss der größte Schwerpunkt gelegt werden. Sobald diese Basis beherrscht wird, kommen die weiterführenden Lektionen fast von selbst. Umgekehrt entstehen die meisten Probleme bei Seitengängen, fliegenden Wechseln oder anderen Lektionen aus einer unvollständigen oder überstürzten Grundlagenarbeit. Zeit in die Basis zu investieren bedeutet niemals Zeit zu verlieren – im Gegenteil: Es ist ein Gewinn, da sie dem Pferd die Leichtigkeit und Harmonie verleiht, die es braucht, um jede Lektion natürlich und mühelos auszuführen.

Vorteile für den Geist des Pferdes
Die klassische Dressur arbeitet nicht nur am Körper, sondern auch am Geist des Pferdes. Ein progressives, konsequentes und ohne Eile durchgeführtes Training schafft Sicherheit und Vertrauen. Das Pferd versteht, was von ihm verlangt wird, erkennt Muster und lernt, gelassen und willig zu reagieren.
Wenn die Arbeit gut geplant ist, werden die Einheiten zu positiven Erfahrungen, die das Pferd motiviert halten. Das Lernen durch Wiederholung und Klarheit stärkt das Selbstvertrauen des Tieres, das sich nach und nach seinem Reiter und sich selbst gegenüber sicherer fühlt.
Wird hingegen zu viel Druck ausgeübt oder die Basis übersprungen, kann das Pferd Abwehrhaltungen entwickeln: Spannungen, Widerstände oder sogar Ablehnung der Arbeit. Ein mental gesundes Training hingegen macht die klassische Dressur zu einem Instrument des Gleichgewichts, das dem Pferd ermöglicht, Freude an seiner Aufgabe zu finden und eine stärkere Bindung zu seinem Reiter aufzubauen.

Wohlbefinden und Langlebigkeit
Ein nach den Prinzipien der klassischen Dressur ausgebildetes Pferd genießt ein längeres und gesünderes Sportleben. Die richtige Progression im Training stärkt den Körper, ohne ihn zu überlasten, hält das Pferd in guter Kondition und beugt vielen Verletzungen vor, die bei hastigen oder schlecht geplanten Trainingsmethoden häufig auftreten.
Wohlbefinden beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Körperliche: Auch der Geist spielt eine wesentliche Rolle. Ein Pferd, das versteht, vertraut und sich in seiner Arbeit wohlfühlt, geht jede Einheit mit Motivation und Bereitschaft an. Dadurch werden Blockaden, Widerstände und Spannungen vermieden, die langfristig sowohl die Leistung als auch die Lebensqualität beeinträchtigen.
Die klassische Dressur, verstanden als ganzheitlicher Bildungsprozess, ist daher eine Investition in die Zukunft des Pferdes. Sie verbessert nicht nur die unmittelbare Leistung, sondern gibt ihm auch die Werkzeuge, um viele Jahre gesund, ausgeglichen und vertrauensvoll zu bleiben.
Praxisbeispiel: die Verwandlung eines Freizeitpferdes
Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, mit einem Pferd eines Kunden zu arbeiten, das hauptsächlich für Ausritte im Gelände genutzt wurde. Es war bereits ein älteres Pferd von etwa 18 Jahren, das nie gelernt hatte, korrekt mit seinem Körper zu arbeiten. Es neigte dazu, sich im Hals zu verwerfen, was im Laufe der Zeit zu einem ernsthaften Problem in seiner Rückenstruktur führte: einem Einsinken, das man gemeinhin als „Senkrücken“ kennt. Dieses Problem tritt leider häufig auf – sogar bei Sportpferden.
Wir entwickelten für ihn einen spezifischen Plan in Zusammenarbeit mit einem Osteopathen. Wir kombinierten Longeneinheiten mit sehr kurzen Reiteinheiten, die wir schrittweise verlängerten. Der Fokus lag ausschließlich auf der Basisarbeit: Takt, Losgelassenheit, Annahme des Gebisses, Gleichgewicht und Symmetrie auf beiden Seiten. Ergänzt wurde dies durch Elektrostimulationssitzungen nach dem Training und regelmäßige osteopathische Behandlungen.
Bereits nach einem Monat war die körperliche Veränderung beeindruckend, und auch die Qualität der Arbeit hatte sich deutlich verbessert. Die Fotos, die ich im Folgenden zeige, machen diese Entwicklung sichtbar.
Das Wichtigste jedoch: Dieses Pferd verbesserte nicht nur seine körperliche Verfassung – was für seine Gesundheit entscheidend war – sondern auch seinen mentalen Zustand. Spannungen und Schreckhaftigkeit verschwanden, und sowohl er als auch sein Besitzer begannen, die Arbeit gemeinsam zu genießen, sei es in der Halle oder im Gelände.




Schlussfolgerung
Die klassische Dressur ist in ihrem Wesen weit mehr als eine Wettkampfdisziplin. Sie ist eine Methode der Erziehung und Gymnastik, die das körperliche und geistige Wohlbefinden des Pferdes sichert, seine sportliche Lebensdauer verlängert und eine harmonischere Beziehung zum Reiter schafft. Vom Hochleistungspferd jeder Disziplin bis hin zum Freizeitpferd – alle profitieren von einer progressiven Arbeit, die auf der Ausbildungsskala basiert und die individuellen Entwicklungszeiten jedes Pferdes respektiert.
Praktische Beispiele, wie der Fall des älteren Pferdes, das dank konsequenter Basisarbeit seinen Körper und seine Einstellung veränderte, erinnern uns daran, dass es niemals zu spät ist, Verbesserungen zu erreichen. Die klassische Dressur bringt in jeder Phase Gesundheit, Vertrauen und Freude.
In die Basis zu investieren bedeutet nicht, Zeit zu verlieren – es bedeutet, die Zukunft zu gestalten. Und genau diese Basis macht die klassische Dressur zu dem wertvollsten Werkzeug für das Wohlbefinden und die Langlebigkeit des Pferdes.

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